

Vielfältige Weinlandschaft von Basel bis Graubünden

Die Deutschschweiz umfasst eine ganze Reihe von Weinanbaugebieten sehr unterschiedlicher Charakteristik. Von den westlichen Bereichen Basel am Rhein über Aargau, Bern und Thun am Thunersee im Südwesten und Bündner Herrschaft mit Graubünden im Südosten bis hin zu St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau im Nordosten finden sich vielfältige Rebflächen, meist in Ufernähe der zahllosen Flüsse und Seen. In der Mitte liegen Zürich, Zug und Luzern.
In der 16 Kantone umfassenden Weinbauregion, der drittgrößten des Landes, dominieren die Rebsorten Pinot noir und Müller-Thurgau, der hier auch seinen Ursprung hat. Das größte Anbaugebiet innerhalb der Deutschschweiz ist Zürich mit ca. 600 ha Rebfläche.
Zwar war der Rebbau wie in fast ganz Europa bereits seit der Römerzeit bekannt, der erste belegte Ursprung des Weinbaus ist jedoch in Graubünden zu finden, als im 8. Jahrhundert wie so oft Weinberge ihre kirchlichen Besitzer wechselten. Während Klöster und Herrschaftshäuser über die Jahrhunderte den Weinbau voranbrachten, brachten Reblaus, Mehltau und billige ausländische Weine immer wieder Probleme und Krisen für den Weinbau mit sich. Die Betriebsstruktur wandelte sich zu einer kleinteiligen Familienstruktur, so dass heute über 3.000 Familienbetriebe, meist im Nebenerwerb die ca. 2.650 ha Rebflächen der Weinregion bewirtschaften.
Klima und Böden in der Deutschschweiz

Der Weinbau in der Deutschschweiz findet hauptsächlich an den nach Süden und Westen ausgerichteten Hängen der Flüsse Rhein, Aare und Limmat sowie des Bodensee, Vierwaldstättersee, Thunersee und Zürichsee statt. Die Nähe zum Wasser wirkt sich ausgleichend auf die klimatischen Bedingungen aus, und das durch die Wasseroberflächen reflektierte Sonnenlicht trägt zu einer besseren Rebreife bei.
Der trockenste, wärmste Bereich der Deutschschweiz ist sicherlich Schaffhausen, worin sich die Fokussierung auf rote Rebsorten, allen voran den Blauburgunder, begründet.
Die Böden der Region lassen sich am besten mit einem Flickenteppich vergleichen. Durch Erosion, Gletscherbildung, Flussläufe und die generelle alpine Tätigkeit des Gebirges wurden Böden, Gestein und Nährstoffe durcheinandergeschüttelt, so dass sich die Bodenqualitäten nicht selten von Dorf zu Dorf oder gar Weinberg zu Weinberg unterscheiden. In den Flussniederungen herrschen häufig kalkhaltige Moränenböden oder auch feinere Sedimentgesteine wie Molasse vor, die Höhenlagen beispielsweise Graubündens bestehen meist aus Schiefer und Gneis, aber auch Granit, Ton, Sandstein und Gips kommen vor. Durch die steilen Lagen ist das Erdreich häufig dünn und nährstoffarm.
Die vielfältige geologische Landschaft ist auch Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen und Forschungsobjekt der Schweizer Weinbauschulen. Wer sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet im geo-önologischen Buch „Stein und Wein“ umfangreiches Fachwissen rund um das so spezielle Terroir des Schweizer Weinbaus.
Die Rebsorten der Deutschschweiz

Beide führenden Rebsorten der Deutschschweiz, sowohl der Spätburgunder (in der Schweiz meist Pinot noir oder Blauburgunder genannt) als auch der Müller-Thurgau haben ihre Wurzeln auch hier.
Während der Pinot noir zwar im 17. Jahrhundert aus Frankreich importiert wurde, dann aber zuerst auf Graubündener Boden in der Schweiz Fuß fasste und sich von hier aus unter dem Namen Blauburgunder verbreitete, wurde der Müller-Thurgau, der in der Schweiz meist unter Riesling-Silvaner läuft, gleich ganz hier erfunden.
Leicht zu merken: Im Kanton Thurgau kreuzte 1882 der Önologe und Botaniker Hermann Müller die Sorten Riesling x Madeleine Royale (wiederum eine Kreuzung aus Weißburgunder x Trollinger) und schuf damit eine der erfolgreichsten Rebneuzüchtungen weltweit.
Pinot noir ist die mit Abstand häufigste Rebsorte der Deutschschweiz und wird auf fast 60 % der Rebflächen angebaut, Müller-Thurgau auf ungefähr weiteren 20%. Französische Sorten wie Chardonnay, Sauvignon blanc, Grauburgunder und bei den Roten Merlot, Regent und neuere pilzwiderstandsfähige Sorten (sog. PIWIs) wie Cabernet Jura oder Garanoir und der im Kanton Zürich verbreitete Räuschling, passenderweise auch Zürirebe genannt, runden den Rebsortenspiegel ab.
Die Weine der Deutschschweiz

Im Gegensatz zur sonst allgegenwärtigen Chasselas (Gutedel) ist die Deutschschweiz weitgehend Burgunderland, genauer gesagt Spätburgunder, der in französischer Tradition Pinot noir oder Blauburgunder genannt wird und vom Aargau bis Bern, von Basel bis Graubünden angebaut wird. Durch die große Varianz der einzelnen AOCs gibt es aber auch hervorragende Chardonnays, den Müller-Thurgau von seinem Ursprung, der AOC Thurgau, und immer mehr biodynamisch wirtschaftende Winzer, die auch zunehmend international bekannte Weine keltern.
Aus der AOC Luzern, genauer dem Seetal, kommen sehr gute, im besten Fall fruchtig–würzige Weißweine aus Riesling-Silvaner. Aber auch die Rotweine aus Merlot aus dem Seetal erreichen immer wieder Bestnoten bei internationalen Wein-Verkostungen.
In der Heimat des Riesling-Silvaners, der AOC Thurgau, sollte man natürlich auch einen solchen verkosten. Das Weingut Wolfer in Weinfelden bringt nicht nur diese, sondern auch Grauburgunder und Pinot noir-Erzeugnisse von hervorragender Qualität hervor.
Die AOC Graubünden ist beispielsweise sehr zerklüftet, so finden sich durch die teilweise von Tal zu Tal unterschiedlichen Mikroklimata sehr vielfältige und mitunter die besten Weine der Schweiz. Der Klevner genannte Pinot noir reift am besten an den sonnigen Rheinhängen und wird als barriquegereifter „Bündner Rheinwein“ verkauft. Auch der Chardonnay, beispielsweise vom renommierten Weingut Gantenbein in Fläsch, ist trinkenswert. Ein selten gewordener Klassiker ist der „Schiller“, ein aus dem Gemischten Satz hervorgegangener Rotling.
Aus der Hauptstadt, der AOC Zürich, kommen ein paar besondere Spezialitäten: Der mittlerweile sehr selten angebaute Räuschling (die „Zürirebe“) und die Weine der Insel Ufenau im Zürichsee. Die Pinot noir-Einzellagen der Weingüter Erich Meier und Pircher sind sehr empfehlenswert.
Das „Land des Blauburgunder“, die AOC Schaffhausen, bringt dementsprechend auch einige sehr hochwertige, barriquegereifte (im besten, aber seltenen Fall aus Schweizer, häufiger französischen Eichen) Blauburgunder hervor. Der Badreben Abt des Weingutes Bad Osterfingen oder auch Gächlingen Schlemmweg vom Weingut Ruch sind hervorragende Beispiele der Schaffhausener Spätburgunder-Erzeugnisse. Eine Besonderheit in Schaffhausen sind die „Goldsiegel Spätlese“, ebenfalls aus der Pinot noir und die Weine vom Munotberg, der Schaffhausener Festung.
Auch im Aargau ist der Pinot noir Aushängeschild: Empfehlenswert die biologisch erzeugten Weine des Weingutes Litwan Wein aus Oberhof.
Nach Westen hin nimmt die Weißwein- und insbesondere die Chasselas-Dichte zu, aber es sind in der AOC Bern und Basel z.B. sehr gute Chardonnays und Riesling-Silvaner zu finden.
Die AOC-Regionen in der Deutschschweiz
AOC Aargau
AOC Appenzell Außerrhoden
AOC Basel-Stadt
AOC Basel-Landschaft
AOC Bern
AOC Glarus
AOC Graubünden
AOC Luzern
AOC Nidwalden
AOC Obwalden
AOC Thunersee
AOC Thurgau
AOC Schaffhausen
AOC Schwyz
AOC Solothurn
AOC St. Gallen
AOC Uri
AOC Zug
AOC Zürich
AOC Zürichsee
Graubünden
